Ich habe einen versteckten Tempel ohne Touristen entdeckt: Koh Samuis stilles Wunder

Auf Koh Samui gibt es zwei Arten von Reisenden. Die einen suchen das Postkartenmotiv: sonnengebleichter Sand, türkisfarbenes Wasser, eine Kokosnuss in der Hand am Chaweng Beach. Die anderen – zu denen ich mich selbst zähle – fragen sich, was sich hinter dem Postkartenmotiv verbirgt. Irgendwo, hinter den neonbeleuchteten Strandbars und den fotogenen Wasserfällen, muss es noch einen Winkel der Insel geben, wo die Zeit stillzustehen scheint und das einzige Geräusch das leise Schlurfen der eigenen Füße ist.

Dies ist die Geschichte von Wat Sila Ngu – dem Roten Tempel – versteckt im Verborgenen und doch selig verlassen.

Die Verlockung des Offensichtlichen (und warum ich davon abgewichen bin)

Die meisten Reiseführer für Koh Samui werden Sie dorthin weiterleiten Wat Plai Laem oder die imposante Großer Buddha-Tempel (Suchen Sie auf Google Maps nach “Wat Phra Yai”.) Diese Orte sind zweifellos beeindruckend, doch ihre Stille wird oft durch das Klicken von Selfie-Sticks und das Dröhnen von Minivans gestört. Ich hatte sie bereits gesehen; sie waren wunderschön, aber nicht ganz die stille Oase, nach der ich mich sehnte.

Nach einem Morgen mit Mangoklebreis bei The Cliff Bar & Grill (Ich suchte nach “The Cliff Bar & Grill Koh Samui”) und bog links in eine staubige Gasse ein, dem Tipp eines einheimischen Ladenbesitzers folgend, der von einem “roten Tempel am Meer” erzählte, „wohin keine Touristen gehen“. In Thailand werden Wegbeschreibungen oft mit einem Lächeln und einem geheimnisvollen Winken gegeben, aber genau das macht ja den Reiz aus.

Erster Eindruck: Wat Sila Ngu

Sie können in Google Maps danach suchen, indem Sie Folgendes eingeben: Wat Sila Ngu.

Dort lag es, südlich von Lamai Beach, hoch oben auf einer Klippe mit Blick auf den Golf von Thailand. Sein richtiger Name lautet: Wat Ratchathammaram, Die Einheimischen nennen ihn Wat Sila Ngu – Tempel der Steinschlange. Der Tempel ist aus tiefrotem Laterit erbaut und leuchtet wie glühende Kohlen vor dem allgegenwärtigen Grün der Kokospalmen. Ich kam am späten Vormittag an. Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen, außer einem Mönch, der Seerosen goss.

Ein Tempel, gewoben aus Geschichten

Die Fassade des Tempels gleicht einem Wandteppich buddhistischer Erzählungen, kunstvoll in Reliefs gehauen. Drachen winden sich, und Mönche meditieren an den Wänden. Die Haupthalle ist klein, ihr purpurrotes Inneres in ein Licht getaucht, das einen zum Flüstern verleitet, selbst wenn man allein ist.

Der Legende nach stammt das Motiv der “Steinschlange” des Tempels aus einer alten buddhistischen Parabel – eine Erinnerung daran, dass Weisheit sich manchmal leise und in unerwarteten Formen offenbart. Ich dachte darüber nach, wie die wahren Schätze auf Reisen wie im Leben selbst selten an den Orten zu finden sind, über die alle reden. Sie sind verborgen und warten auf die Geduldigen und Neugierigen.

Momente der Stille

Ich saß auf der niedrigen Mauer am Meer und beobachtete, wie ein Fischerboot gemächlich über die Bucht trieb. Hier bestand die einzige Zeremonie aus dem langsamen Brechen der Wellen und dem fernen Läuten der Tempelglocken. Es gab keine Fremdenführer, keine Souvenirstände, nur die sanfte Präsenz des Ortes selbst.

Es ist wichtig zu wissen, dass dezente Kleidung erwünscht ist – bedecken Sie Schultern und Knie, wie in jedem thailändischen Tempel. Der Eintritt ist frei, aber eine kleine Spende in die Spendenbox am Eingang ist eine einfache Möglichkeit, Respekt zu zeigen.

Anreise

Wat Sila Ngu liegt direkt an der Ringstraße (Route 4169). Wenn Sie vom Lamai Beach kommen (suchen Sie auf Google Maps nach “Lamai Beach”), erreichen Sie den Tempel in nur zehn Minuten mit dem Roller in Richtung Süden. Sie werden die roten Türme sehen, die sich über die Bäume erheben – eine ungewöhnliche Farbe für einen thailändischen Tempel, und kaum zu übersehen, sobald Sie wissen, wonach Sie suchen. Parkplätze sind ausreichend vorhanden und kostenlos.

In der Nähe: Ein Einblick in den Alltag von Samui

Wenn Sie nach Ihrem Besuch Hunger verspüren, sollten Sie einen Zwischenstopp einlegen bei Imchai Restaurant (Suchen Sie nach “Imchai Restaurant Lamai”), einem einfachen Lokal, das bei Einheimischen für seine würzigen Currys und den exzellenten gebratenen Reis beliebt ist. Die Speisekarte ist so unprätentiös wie die Gäste – hier gibt es keine Fusion-Küche, sondern einfach nur gutes Essen. Wenn Ihnen die Mittagshitze zu viel wird, bietet der schattige Abschnitt … Hua Thanon Strand (Suche nach “Hua Thanon Beach”) ist perfekt für ein kurzes Bad.

Reflexionen: Warum das Verborgene suchen?

Reisen ist im besten Fall ein sanfter Dialog mit dem Unbekannten. Wat Sila Ngu ist weder prunkvoll noch uralt. Doch in seinen stillen Winkeln und der gemächlichen Atmosphäre fand ich einen seltenen Luxus: das Gefühl, etwas zu entdecken, nicht nur zu konsumieren. Manchmal sind die tiefgreifendsten Begegnungen jene, nach denen man nicht gesucht hat.

Wenn Sie also einmal auf Koh Samui sind, machen Sie unbedingt einen Abstecher. Besuchen Sie den roten Tempel am Meer. Ihre Postkarte wird geduldig warten – aber die verborgenen Orte rufen, wie immer.


Tipps für den Besuch von Wat Sila Ngu:
Kleiden Sie sich dezent: Schultern und Knie bedeckt.
Bringen Sie Wasser mit: Mittags gibt es kaum Schatten.
Früh oder spät ankommen: Für optimales Licht und absolute Leere.
Respektiere die Stille: Dies ist ein aktiver Tempel, keine Touristenattraktion.

Viel Freude beim Wandern – mögest du immer deinen eigenen roten Tempel finden.

Vilhelms Kalnins

Vilhelms Kalnins

Leitender Redakteur für Kultur und Kulturerbe

Mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung im Reisejournalismus und einer lebenslangen Leidenschaft für das Entdecken weniger bekannter Geschichten bringt Vilhelms Kalnins eine erfahrene Perspektive in Samui Love ein. Er hat in mehreren Ländern gelebt und ist viel durch Südostasien gereist. Er versteht es, Kulturgeschichte mit praktischen Reiseerkenntnissen zu verknüpfen. Vilhelms ist bekannt für seine sorgfältige Recherche, seine herzliche Art zu erzählen und sein Talent, mit Einheimischen in Kontakt zu treten und so verborgene Schätze zu entdecken. Er legt Wert auf Authentizität, ist stets neugierig und betreut gerne jüngere Autoren in der Kunst des immersiven Reisejournalismus.

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